Wie können Pflegeberufe wieder attraktiver für Ausbildungssuchende werden?


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Warum sind Pflegeberufe in Deutschland so unattraktiv?

Deutschland kämpft mit dem Pflegenotstand. Bundesweit fehlt es an Pflegekräften und vor allem auch an Menschen, die den Beruf erlernen möchten. Dabei ist die Lage in der Altenpflege nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit kein Einzelfall. In der Krankenpflege sowie im Bereich der Rettungsdienste zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Doch wie lassen sich die Pflegeberufe attraktiver gestalten? Lesen Sie hier mögliche Ansätze.

Was macht Pflegeberufe unattraktiv?

Immer wieder setzen sich Politik und Pflegebranche mit dieser Frage auseinander. Studien zeigen, dass auch weiterhin das Gehalt einer der Schwachpunkte der Pflegeberufe ist. Tatsächlich verdienen Pflegekräfte, sowohl Hilfs- als auch Fachkräfte, unterdurchschnittlich. So kommen die Krankenpflegehelfer im Bundesschnitt auf einen Stundenlohn von 11,09 Euro brutto. Dieser liegt also nur gering über dem vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Mindestlohn. 

Dagegen beläuft sich der allgemeine mittlere Stundenlohn in Deutschland auf 16,97 Euro. Gesundheits- und Krankenpfleger haben einer Studie zufolge einen Stundenlohn von 16,23 Euro und kommen damit an den mittleren Wert heran. Besser verdienen lediglich die Stationsleiter, die aktuell im Mittel 19,25 Euro bekommen. 

Aufgrund der durchschnittlichen Stundenlöhne gilt die Pflegebranche gemeinhin als schlecht bezahlt, weshalb gerade für junge Erwachsene eine Ausbildung eher unattraktiv ist. 

Welche weiteren Faktoren machen es Pflegeberufen schwer?

Die unterdurchschnittliche Bezahlung ist aber nur eine Seite der Medaille. Neben dieser gibt es weitere Faktoren, die die Pflegeberufe für den Nachwuchs unattraktiv machen und die wiederum dafür sorgen, dass sich Fachkräfte von dem eigentlichen Beruf abwenden. Hierzu gehören: 

Aufstiegschancen sind begrenzt: Die Bundesländer regeln die Aus- und Weiterbildungen ihrer Pflegekräfte zwar weitgehend selbst, doch in einem Punkt ist die bundesweite Situation wieder einheitlich: Es gibt kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Die Aufstiegschancen sind hier sehr begrenzt, was ebenso dazu führt, dass der Beruf oft als wenig attraktiv beschrieben wird. 

Hohes Belastungslevel: Den Pflegenotstand bekommen bei weitem nicht nur die Patienten und ihre Angehörigen zu spüren, sondern vor allem die Mitarbeiter in den Heimen und Pflegeeinrichtungen. Der Personalmangel selbst ist es, der den Pflegenotstand weiter verschärft, denn die anfallende Pflegearbeit muss dadurch auf schlichtweg zu wenig Mitarbeiter verteilt werden. Dadurch entsteht ein enormes Belastungslevel. Dauerstress ist die Folge, weshalb sich viele Mitarbeiter schließlich gegen die Arbeit in sozialen Dienstleistungen entscheiden. 

Arbeitszeiten: Wer sich für den Pflegeberuf entscheidet, weiß natürlich, dass er auch dann arbeiten muss, wenn andere längst Feierabend haben. Ein viel größeres Problem ist, dass es für die Mitarbeiter kaum Mitsprachemöglichkeiten bei den eigenen Arbeitszeiten gibt. Zwar arbeiten die meisten Pflegekräfte tatsächlich nur in Teilzeit, doch die Arbeitgeber wünschen sich von ihren Mitarbeitern Flexibilität. So muss bei Bedarf auch schnell eingesprungen werden.